Uganda - armes, nachhaltiges Land?

Uganda – armes, nachhaltiges Land?

Uganda – armes, nachhaltiges Land: Uganda ist eines der ärmsten Länder der Welt. Trotzdem könnten die Ugander ein Vorbild für viele westliche Nationen im Bezug auf funktionierende Ökosysteme darstellen – wenn man sie nur ließe.  ​

Uganda - armes, nachhaltiges Land: Uganda ist eines der ärmsten Länder der Welt. Trotzdem könnten die Ugander ein Vorbild für viele westliche Nationen im Bezug auf funktionierende Ökosysteme darstellen - wenn man sie nur ließe. 



Fernab der Heimat - genauer gesagt in Uganda - konnte ich heuer viel lernen. In einem Land, in dem Armut alltäglich erscheint. In einem Land, in dem 69,6 % der Bevölkerung mit weniger als 3,20 Dollar am Tag auskommen. In einem Land, in dem 26,1 % der Bevölkerung nicht lesen können. In einem Land, in dem 47,4 % der Bevölkerung unter 15 sind und in dem nur 2,2 % Prozent älter als 65 werden. In exakt diesem Land konnte ich das finden, wonach ich mich in Europa manchmal sehnte.  

Uganda - armes, nachhaltiges Land?

Ständig diskutieren die großen Nationen der Welt über Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Plastikreduktion. In Uganda wird all das gelebt.


Nachhaltigkeit als Notwendigkeit

  • Der Großteil der Ugander versorgt sich durch Subsistenzwirtschaften, deren Ziel es primär ist, sich selbst zu ernähren
  • Dadurch trägt auch jeder Bauer die Verantwortung für seine Familie 
  • Misslingt eine Ernte, leidet die Familie 
  • Überleben hängt also von der Bodenqualität ab
  • Und die Menschen scheinen sich der Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst zu sein
  • Fast alles wird auf dem eigenen Acker und somit mehr als "regional" angebaut
  • In den Subsistenzwirtschaften pflanzen die Ugander kaum Monokulturen
  • Zusätzlich ernähren sie sich großteils pflanzlich und das frisch
  • Alles wird selbst gekocht
  • Produkte der Marke Unilever und Konsorten finden sehr geringe Verbreitung
  • Fertig- und Halbfertigprodukte sind Mangelware
  • Fleisch wird nur wenig verzehrt, was die Ressourcen schont  
  • Und verpackt wird lieber in Bananenblätter, denn in Plastik  

Dieses Wissen könnten wir doch sofort nach Europa transferieren?

Würde man denken. Leider sehen das nicht alle so. Denn auf den ugandischen Subsitenzwirtschaften gibt es keine Standardisierung, keine Gentechnik, keine Maschinen. Alles wächst, wie es gerade Lust hat. Die eine Melone ist größer als die andere. Die eine Banane wiederum krummer als die andere. Die eine Avocado wächst so groß wie eine Papaya, die nächste so klein wie ein Ei. Vieles wächst in Permakulturen - und zwar quer durcheinander - anstatt in Reih und Glied. Das macht die Felder und Verbünde von Natur aus widerstandsfähiger gegen Ungeziefer.

So funktioniert ein Ökosystem richtig! Deswegen werden hier auch keine synthetischen Dünger benötigt. Die Philosophie dahinter: Mit der Natur und nicht gegen sie zu arbeiten.

Produkte aus Subsistenzwirtschaft können nicht exportiert werden

Und trotzdem: Früchte aus Uganda können nicht nach Europa exportiert werden. Denn was fehlt sind Zertifikate und Standardisierung. Ginge es nach den Vorstellungen der europäischen Firmen, müsste jeder Schritt dokumentiert werden, um den Anbau nachvollziehbar zu gestallten. Doch das Wissen wird dort oft nicht schriftlich - sondern mündlich weitergegeben. Aufwendige Dokumente "rauben den Menschen Zeit", die sie für die tägliche harte Arbeit benötigen. Aber selbst das Wissen darüber erscheint für den europäischen Markt überflüssig. Denn unterschiedlich groß und krumm bedeutet zeitgleich auch unterschiedlich haltbar und lagerbar. Andererseits können dort auch Geschmack und Geruch von Frucht zu Frucht oder Gemüse zu Gemüse leicht variieren. Zusätzlich können diese Verbünde nicht (oder noch nicht) schnell von maschinellen Helfern bestellt und geerntet werden, sondern müssen von Hand gepflegt werden. Und eines der Hauptprobleme: Am Ende weisen derartige Produkte schwer kalkulierbare Gewinne aus.

Uganda - armes, nachhaltiges Land: Die Crux mit der Wirtschaft

Zusammen führt das zum wirtschaftlichen Todesstoß für jedes Bestreben nachhaltige Praxen in die konventionelle, profitorientierte Landwirtschaft  zu implementieren. Und so kommt es, wie es kommen muss: Während der Westen schier besessen zu sein scheint von der Effizienz, Standardisierung und Produktionssteigerung wachsen in Uganda krumme Bananen und Jamswurzeln zwischen unterschiedlich großen Avocados, Erdäpfeln und Papayas - und das alles fernab der Norm, ohne synthetische Dünger, aber im Einklang mit der Natur.

Was bleibt: Nachhaltigkeit ist Profit unterworfen

Die Ugander führen demnach oftmals noch ein Leben, wie es der Homo sapiens einst lebte, kurz nachdem er sesshaft wurde. Sie verwenden zur Bestellung ihrer Felder nur das, was die Natur hergibt. Belohnt wird das nicht. Und da fragen wir uns zurecht: Kann wirtschaftlicher Erfolg überhaupt neben Nachhaltigkeit existieren? Beziehungsweise gibt es Profit abseits synthetischer Dünger? Oder müssen Permakultur und Subsistenzwirtschaft auf der gesamten Welt standardisierten Monokulturen weichen? 

 

Natürlich haben wir im Westen viele Vorteile gegenüber den Ugandern - etwa ein gut funktionierenden Gesundheitssystem, Sozialleistungen etc.. Aber dürfen wir alle Errungenschaften der westlichen Welt auf dem Rücken der Dritten Welt bzw. auf Kosten der Nachhaltigkeit austragen?

 

Siehe auch: 

Wirtschaftliche  Situation Uganda:

https://wko.at/statistik/laenderprofile/lp-uganda.pdf

Reisen Uganda:

https://meanwhilein.eu/berggorillas-in-bwindi/



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