Lebensmittelverschwendung: 24.851 Mal das Gewicht der Titanic werden jährlich weggeschmissen

Warum landet mein Schnitzerl, mein ungeöffnetes Joghurt oder meine Melone Mal für Mal im Mistkübel? Die Verschwendung von Lebensmitteln schreitet in immer neue Dimensionen vor. Während Menschen in Uganda nichts haben, wird bei uns produziert,

Warum landet mein Schnitzerl, mein ungeöffnetes Joghurt oder meine Melone Mal für Mal im Mistkübel?

Die Verschwendung von Lebensmitteln schreitet in immer neue Dimensionen vor. Während Menschen in Uganda nichts haben, wird bei uns produziert, gekauft und weggeschmissen, was das Zeug hält. Die Tiere, Pflanzen und Lebensmittel machen da aber nicht mehr länger mit.

Kritik der Tiere, Pflanzen und Lebensmittel

Die Fassungslosigkeit unter den Tieren und Pflanzen erscheint in Anbetracht einer derartigen Zahl gigantisch. “Wenn die wüssten, wie mir täglich die Zitzen brennen und wie sich das anfüllt quasi ein ganzes Leben lang schwanger zu sein!”, beschwert sich Susi, die Kuh. Annemarie, das Legehendl, berichtete uns ähnlich Schockierendes: “Glaubst du, ich presse mir diese XL-Eier gerne aus meinem Popsch um sie dann in den Mistkübel wandern zu sehen?” Viele essbare Teile landen außerdem aus Gewohnheit und Unwissenheit standardmäßig bei den Abfällen. Mubarak, der Brokkoli, könnte aus diesem Grund explodieren: „Jeder will nur an meine Röschen während mein großartig nach Kohl schmeckender Strunk keinen tangiert.“

Ein weiteres Dilemma: Viele von ihnen werden weggeworfen oder gar nicht erst geerntet, weil sie Schönheitsfehler haben. „Schönheit liegt aber im Auge des Betrachters“, versucht Frida, die hässliche Kartoffel, schluchzend ihren letzten Rettungsanker zu ergreifen, bevor sie ihrem Schicksal ausgesetzt wird,”Ich will nicht mit den verrunzelten Kartoffeln am Acker verrotten!” Doch die Konsumenten und die Wirtschaft sehen das gegenteilig: Dellen, Warzen, Verletzungen etc., die in Form und Aussehen nicht der erwarteten Norm entsprechen, sind nicht zu tolerieren. Ähnlich ausgegrenzt von der Gesellschaft wie ihre menschlichen Pendants. So kommen die Lebensmittel erst gar nicht ins Regal. Die FAO-Studie prangert in diesem Zusammenhang  fehlende Einkaufsplanung oder übertriebene Vorsicht bei Haltbarkeitsdaten an. Ein Joghurt, welches anonym bleiben möchte, landete zum Beispiel im Mist, da dessen drohendes Ende der Haltbarkeit nahte. Nach dem wir es aus der Tonne gefischt hatten, überrumpelte es uns mit seinem Insiderwissen: “Unter uns, ich werde überhaupt nicht schlecht, wenn mich keiner öffnet. Die Bakterien, die mich zum Joghurt machen, konservieren mich nämlich phänomenal gut. Dieses MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) hingegen, das auf mir pickt, will nur den Konsum anheizen. Aber sagen Sie das nur bloß nicht der Lebensmittelindustrie! Die machen sonst Trockenmilch aus mir und schicken mich nach China.”

Weitere Herausforderungen ergeben sich, indem mehr eingekauft wird als benötigt. Die Leute schoppen ihre Einkaufswagerl bis zum Überquellen voll und wundern sich dann, dass nach Jahren irgendwelche Lebensmittelleichen im Kühlschrank gefunden werden, wovon sie nicht wussten, dass sie überhaupt existieren. Zu Reanimationen kommt es nur selten. Die Industrie unternimmt darüber hinaus auch enorme Anstrengungen, dem Fleisch das Leben zu entziehen. Aus persönlichem Interesse prangert Roswitha, das Schwein, die Doppelmoral der Menschen an: “Solange ich als ganze Sau dasitze und lieb dreinschaue, ist ja alles halb so schlimm. Aber sobald ich in Stücke tranchiert und in Plastik verpackt bin, ist es vorbei mit lieb. Dann erkennt mich keiner mehr als die, die ich einst war, Ihre liebe Rosi.”

Tierische Lebensmittel mit enormer CO2-Last

Gerade Fleisch und tierische Produkte verbrauchen besonders viele Ressourcen, da bei Produktion ein hoher Futtermittelbedarf sowie hohe Mengen an Ausscheidungen anfallen. Aber auch der CO2-Ausstoß von nicht gegessen Lebensmitteln stellt die Umwelt vor große Herausforderungen. Lebensmittelverschwendung trägt demnach Schuld an 3,3 Milliarden Tonnen der CO2-Emissionen. Das kommt rund einem Zehntel der jährlichen Gesamt-CO2-Emissionen gleich. „Das ist ja noch längst nicht alles. Die Hälfte der totalen Verschwendungskultur von Essbarem wäre vermeidbar”, grunzte der resignierende Rudi in der Warteschlange vorm Schlachthof, “Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich das Soja, das sie für uns über den halben Globus schippern nicht so fleißig aufgegessen.”

Die Verschwendung in Zahlen

Während Millionen von Menschen hungern, ereilt rund 1/3 der genießbaren Bestandteile ein grausames Schicksal. Rund 1/3 all jener, die sich beim Heranwachsen so bemühten, landen weltweite im Mülleimer. Wobei sich das Ausmaß der Verschwendung zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern nicht wesentlich unterscheidet. Die Schwachstellen liegen lediglich an anderer Stelle: Während in weniger entwickelten Ländern mehr am Feld und am Weg zu den Verbrauchern verschwendet wird, entstehen in Industrienationen die höchsten Grade der Verschwendung in Privathaushalten. Auf jeden EU-Bürger kommen statistisch gesehen jährlich 173 Kilo zum Scheitern verurteilte Tiere/Pflanzen, die ihr Glück als Lebensmittel versuchten. Das macht insgesamt 88 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr, die sich auf folgende schicksalsträchtige Bereiche verteilen: 53 % jener, die es nicht in die Mägen der Konsumenten schaffen, werden in privaten Haushalten weggeworfen. Im Schnitt fristet dort 1/4 aller eingekauften Lebensmittel ein scheußliches Ende im Mistkübel. Viele, ohne je einen Konsumenten gesehen zu haben und unter ungeöffneten Verpackungen. 30 % stranden bei Landwirtschaft und Produzenten. 12 % schmeißen GastronomInnen weg und 5 % verschwinden im Handel – ohne je wiedergesehen zu werden. Weltweit schätzt eine FAO-Studie das Ausmaß der Lebensmittelabfälle auf rund 1,3 Mrd. Tonnen pro Jahr. Das wäre 24.851 Mal das Gewicht der Titanic (wissenschaftlich gerundet) – oder ein überdimensionaler Müllberg aus Tier-,  Pflanzenteile, Schnitzelresten und ungeöffneten Milchtetrapacks, der die gesamte Erde bedecken könnte (schätzen, wir ohne zu rechnen).

Erste Schritte gesetzt – Hoffnung vertagt

Die EU-Kommission möchte der Verschwendung Einheit gebieten und diese in den kommenden 20 Jahren halbieren. In diesem Kontext müssen tschechische Supermärkte Lebensmittel, die nicht verkauft werden können, seit Neuem an wohltätige Organisationen spenden. In Österreich existiert eine freiwillige Vereinbarung zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen, die bereits tausende Tonnen essbare Lebensmittel rettete. Nichtsdestotrotz, tendenziell nimmt die Lebensmittelverschwendung in der EU in den nächsten 1o Jahren sogar noch zu.

Keine schönen Aussichten für die Tiere und Pflanzen, die sich bei ihrer Geburt einiges vorgenommen hatten. Deshalb traten Tiere, Pflanzen und Lebensmittel mit einer riesigen Bitte an uns:

Jeder kann seinen Teil beitragen

Kritik der Lobby der freiheitsliebenden Pflanzen und Tiere: Einmal davon abgesehen, dass es die Lebensmittel bestimmt nicht als ihren größten Lebenstraum erachten paniert, ihrer Muttermilch beraubt oder entkernt zu werden – wenn sie dann auch noch einfach blindlings weggeschmissenen werden, fühlen sie sich aber zurecht etwas verarscht. Deshalb, BITTSCHEN, wenn ihr uns schon unseren Lebenstraum stehlt und uns von unserer Wiese oder aus unserem Stall reißt, dann beherzigt doch wenigstens ein paar Tipps, um diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten.

Im diesen Zusammenhang werden die Experten der Bohnenprommenade ihr langjähriges Wissen als Koch und als Ernährungswissenschaftler einbringen um in den nächsten Beiträgen ihr geballtes Wissen über die Vermeidug von Lebensmittelabfällen mit euch zu teilen. Ob für Faule, Angergierte und höchst Motivierte – für alle wird etwas dabei sein. Dadurch können wir gleichzeitig den Lebensmitteln helfen und der Verschwendung ein Ende setzen.

Sollten die Konsumenten der Forderung allerdings nicht nachkommen, werden erste Warnstreiks stattfinden um den Forderungen Deutlichkeit zu verleihen.

Auch interessant:

7 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung (für PROs)

9,5 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung (für Fortgeschrittene)

24,5 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung (für Anfänger)

Please follow and like us:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bohnenpromenade Newsletter

Wir backen Cookies. Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu. Datenschutzerklärung