French Paradoxon – French Para what?

Rauchen, Saufen und fett essen – die geheime Tinktur für ein langes Leben? Die Franzosen zelebrieren nicht erst seit Paul Bocuse † das Essen wie kaum ein anderes Land. Als eine von nur zwei Landesküchen* die es auf die

Rauchen, Saufen und fett essen – die geheime Tinktur für ein langes Leben?

Die Franzosen zelebrieren nicht erst seit Paul Bocuse † das Essen wie kaum ein anderes Land. Als eine von nur zwei Landesküchen* die es auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes geschafft haben, versteht es die Grand Nation seit jeher die Tischplatten raffiniert zum Bersten und die Gürtelschnallen temporär an ihre Belastungsgrenzen zu befördern. Doch obwohl sich der Konsum von Brie, Crêpes, Croissant und Co in schwindeligen Höhen befindet und die Gauloise diesen Genuss noch abrundet, fehlen dortzulande ähnlich hohe Einträge von ehemaligen Herzpatienten in das Sterberegister, als man sie erwarten könnte. 

 

Viel Fett, niedrige Herzinfarkthäufigkeit!

In diesem Zusammenhang wird bereits seit 1819 und insbesondere seit Anfang der 1990er das French Paradoxon diskutiert. Welches eine Imbalance zwischen ungesunder Ernährung/ungesundem Lebensstil und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Franzosen bezeichnet. Denn obwohl sie fett essen und viel rauchen, werden die Franzosen sehr alt und sind bis in ein hohes Alter sehr aktiv. Kurzerhand und ein paar Studien später hatte man den Grund für diese Imbalance scheinbar isoliert: den Rotwein! Dieser soll aufgrund von antioxidativ wirkenden Inhaltstoffen und dem enthaltenen Alkohol scheinbar ein wahres Gesundheitselixier sein.

 

Die Inkarnation des Rotweinglaubens

Unverzüglich nahm der Rotwein seinen Dienst auf und beschütze fortan auch die Bevölkerungen anderer Länder vor kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkten sowie Schlaganfällen und bekämpfte den Bluthochdruck – bis ins Greisenalter. Auch andere Gottheiten, wie der Biergott und der Schnapsgott wurden geboren. Ärzte jubelten, aber auch Winzer, Wirte und Stammtische frohlockten. Man wird schließlich gerne für sein Verhalten gelobt. Endlich hatten die Säufer eine Legitimation.

Dieser Glaube zementierte sich nachfolgend für rund 30 Jahre in die Gehirne der Menschen ein. Ein Glas Rotwein am Tag macht gesund, das war eine verbreitete Lehrmeinung.

 

Der Hund mit der Statistik

Es dauerte lange, bis dieser Mythos berichtigt wurde. Viele der Studien hatten schlichtweg Schwachstellen. Denn die Grundidee war damals: Personen, die keinen Alkohol tranken (also Antialkoholiker) und Leute, die regelmäßig Rotwein tranken, zu vergleichen. Doch offenbar war es von vornhinein schwer, Leute zu finden, die in Frankreich gar keinen Alkohol tranken. Die benützten Fragebögen konnten dieses Problem offenbar nicht abbilden. Das grundlegende Problem war: Man hatte schlichtweg vergessen zu fragen, warum jemand nichts trinke**.

Erst Jahrzehnte später stellte sich heraus, dass die Gruppen der Antialkoholiker zu einem beträchtlichen Teil aus trockenen Alkoholikern bestanden, deren Gesundheitszustand natürlich im generellen schlechter war. Ein Vergleich war demnach sinnlos, die Legitimation für den regelmäßigen Alkoholkonsum bestand nicht mehr in diesem Ausmaß – die Religion wurde zur Sekte – und dennoch hat sich dieses Wissen bis heute bei vielen eingeprägt.

 

Alles in allem kommt eine nachgewiesenermaßen schützende Wirkung des Alkohols nur einen bestimmten Menschentyp wirklich zugute: dem „kontrollierten Wohlstandstrinker“, der in der Lage ist, seinen Durst auf das sprichwörtliche „Glaserl in Ehren“ zu begrenzen.

 

*die andere ist die Japanische Küche

**auch bei vielen anderen Studien hat man vergessen zu fragen, warum jemand nichts trinke.

Der protektive Effekt von Alkohol wird heute als wesentlich geringer eingeschätzt und individuell unterschiedlich empfohlen.

 

Aber was sind die Grenzen für die täglichen Aufnahmemengen in Europa?

Eine Übersicht

 

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