Das große Theater: Der Klimawandel und die Prognosen für das Badeparadies Mitteleuropa

  Ein lauter Knall ertönt! Vorhang auf! Die Erde betritt die Bühne und entwickelt sich 4,6 Milliarden Jahre prächtig. Aus einem unwirklichen Feuerball entsteht eine Oase für das Wunder Leben. Einzeller werden zu Fischen. Aus

 

Ein lauter Knall ertönt! Vorhang auf! Die Erde betritt die Bühne und entwickelt sich 4,6 Milliarden Jahre prächtig. Aus einem unwirklichen Feuerball entsteht eine Oase für das Wunder Leben. Einzeller werden zu Fischen. Aus Flossen entstehen Beine. Kiemen entwickeln sich zu Lungen. Säugetiere erobern das Land. Arten kommen, Arten gehen. Hier wird aber keine Science-Fiction uraufgeführt – das ist Evolution, Baby! Die Hauptdarstellerin und das Ensemble brillieren. In einem nie da gewesenen Zusammenspiel verschmelzen sie in einem furiosen Feuerwerk zu einem großen Ganzen – zu einem funktionierenden Ökosystems. Die gesamte Erdgeschichte auf einen Tag komprimiert, würde ein bislang unbekannter dunkler Akteur erst weniger als eine Minute vor 24:00 Uhr das Rampenlicht betreten. Diese Zeit reicht aus um das Schauspiel mit einem lauten Knall zu beenden: Ein Drittel der globalen Artenvielfalt wird durch sein Handeln bis 2100 bedroht sein.

In der Hauptrolle bezaubert die Erde auf ganzer Linie – bis der Mensch die Bühne betritt. Durch seine Interpretation der Rolle gerät ihr gesamtes Lebenswerk ins Wanken. Das ist die einhellige Meinung. Die Quintessenz der Inszenierung: Die menschliche Gier verschuldet den Klimawandel – inklusive des Niederganges der Artenvielfalt als auch vieler endemischer Arten. Die menschliche Art muss dieser Vorstellung zufolge mit aller Kraft und mit allen nötigen Konsequenzen für ihr Handeln einstehen, um das gezeichnete Horrorszenario in letzter Sekunde abzuwenden. Lautstarker Beifall ertönt von den Rängen für die richtungsweisende Darbietung der Protagonisten. Das Auditorium tobt förmlich. Die Kritiker sind sprachlos. Die Theaterkenner sind sich einig, einer wahrlich bravourös aufgeführte Meisterleistung der Theatergeschichte beigewohnt zu haben. Alle Besucher verlassen das Theater und singen gemeinsam im Chor: Wir müssen etwas tun! Nein, wir werden etwas tun!

Gegenwind für das Theater

Doch nur ein Drittel der Bevölkerung zählt in dieser Geschichte zu den Theaterkennern. Nur ein Drittel der Österreichischer applaudiert dieser Vorführung. Lediglich ein Drittel der Alpenrepublik fühlt sich demnach basierend auf einer zwischen 2016-17 durchgeführten Erhebung des European Social Survey (ESS) verantwortlich für den Klimawandel.

Für den Rest verkörpert die mediale Präsenz des Themas alleine kein Theater, sondern einen wahrhaften Zirkus. Diese Akteure finden in der folgenden Aussage ihre alternative Realität wieder: Das wäre reine Panikmache – quasi FAKE NEWS. Das sind nicht ihre Vorstellungen, das sind nicht ihre Ziele. Für sie steckt mehr Wahrheit in anderen Thesen. Sie verurteilen die mediale Hetzjagd, erkennen darin eine Propagandamaschinerie für den stotternden Wirtschaftsmotor. Sie bezweifeln schlichtweg die Forschungsergebnisse der “Großkopfatn”. Den übrigen erscheint dieser Diskurs als ein überdimensional aufgeblähter Darm mit Brät – ihnen ist es folglich Wust.

Die Besetzung

Bezüglich dieser Fragestellung fungieren in der Darbietung neben der Erde sowie den üblichen Verdächtigen aus Politik und Medien drei Darsteller: Die Wissenschaft, der Großteil der Bevölkerung und der Rest. Die Wissenschaft hat ihn „erfunden“. Sie waren es, die das Stück einst schrieben. Die klimatischen Veränderungen wollen sie mit aller Entschlossenheit aufhalten (Stichwort 2°C Ziel). Alle Klimaverschmutzer müssen ihnen zufolge weg – Innovationen her. Der Großteil glaubt nicht an etwas, das ihr gewohntes Leben ändern würde. Diese handelnden Personen wollen alles beim Alten belassen. Drastischen Veränderungen treten sie herzlich unaufgeschlossen gegenüber. Windräder in ihrem Garten – nein danke. Die Rollen von Wissenschaft sowie des Großteils der Gesellschaft sollen im Folgenden skizziert werden. Dem Rest ist es Wurst weshalb er (vorerst) keine Rolle im Ensemble ergatterte.

Die Rolle der Wissenschaft

Die Verfehlung

Schon 1895 erhielt ein Schwedischer Physiker für die Verknüpfung des menschlichen Handelns mit dem Klimawandel den Nobelpreis. Im Laufe der Jahrzehnte wurden diese Resultate durch weitreichende Thesen immer weiter untermauert. Die Reichweite der Bedrohungen immer ausführlicher bekannt. Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen), sollte ab November 1988 die internationale Antwort für die sich ausweitende Misere darstellen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ziehen von da an einem Strang gegen das Treibaushausgasteam aller industrialisierten Völker der Erde. Leider vergeht zwischen diesen Geistesblitzen von Forschung und Politik Zeit – viel Zeit – vielleicht sogar zu viel Zeit? Erkenntnisse über den menschlichen Einfluss auf den Treibhauseffekt gab es bereits früh in der Geschichte. Trotzdem beging die Forschung zwei folgenschwere Fehler:

  1. Angesichts der Dramaturgie eines ungestoppt auf den Abgrund zurasenden Erdhochgeschwindigkeitszuges, darf man  hier die  traditionelle Prämisse der westlichen empirischen Wissenschaft ausnahmsweise bekritteln. Dem zufolge sei es für Forscher schlimmer, sich vorzumachen, dass etwas existiere, obwohl sich später herausstellt, dass es nicht existiert (ein sogenannter „Fehler 1. Art“) als nicht zu glauben, dass etwas existiere („Fehler 2.Art“), obwohl es in Wahrheit wohl existiert. Sie hatten schlichtweg keine Eier um ihre Ergebnisse baldigst mit Nachdruck der Politik zu präsentieren.
  2. Zusätzlich ist die Forschungswelt per se ein Labyrinth ohne Eingänge. In ihrem Kabinett konferieren sie auf Kongressen mit Gleichgesinnten im weißen Gewande. Sie tanzen auf Forschungsbällen – streicheln ihr Ego, indem sie Sätze über Seiten ausdehnen und mit Fachtermini schmücken. Das Resultat: Sätze, die von wahrer Intelligenz zeugen. Doch was diesen filigranen Seiten fehlt: Eine allgemeine Verständlichkeit dieser Hieroglyphen. Die Darsteller sprechen schlichtweg nicht die Sprache des Großteils der Bevölkerung. Sie verschachteln jede ihrer Aussagen zu komplexen Gebilden, deren Lösungen für viele in anderen Dimensionen zu ergründen sind. Für nicht Fachkundige ergeben diese Erklärungsansätze nichts als ein Gewirr aus Stricken, in denen sie im Begriff sind, sich zu erhängen. Den Anfang ausfindig zu machen, geschweige denn den geistigen Knopf zu lösen, gestaltet sich als unmöglich – ihre Kommunikationsstrategien aufgrund dessen, ausbaufähig. Das Bestreben der Forschungseliten, den Großteil vom Forschungslatein zu überzeugen, scheitert kläglich. Deshalb versiegt die Informationsübermittlung frühzeitig und das Wissen bleibt auf einen kleinen Kreis begrenzt. Der Großteil bleibt unüberzeugt zurück.
Die Ergebnisse: Im Gründungsjahr der IPCC stand ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen  von +0,41°C zu Buche. Und jetzt? 2016 wurden +0,99°C und 2017 +0,9°C gemessen. Seit 2001 gingen sage und schreibe 17 der 18 wärmsten Jahre der Messgeschichte in die Analen ein.

Die Rolle des Großteils der Gesellschaft

Der Aufschwung alternativer Illusionen

Wir fühlen uns wie in einem schlechten Film, der – das kommt erschwerend hinzu – sogar ohne uns läuft. Wir fühlen uns vorgeführt. Wir sollen Opfer bringen für Bestrebungen der Eliten – sollen unseren Garten anstatt mit unseren schönen neuen Dieselautos mit Windrädern verunstalten. Das ist der Gipfel der Abstrusitäten. Deshalb ergriffen wir, der Großteil der Bevölkerung die Gelegenheit beim Schopf und reißen jedes Theater mit derartigen Vorführungen ab. Spielen nur noch unsere Filme. Aufgrund deren Verfehlungen sehen wir die Gunst der Stunde geschlagen – und wir nutzen sie! Unser Motiv: Unverständnis und Frust. Der Klimawandel türmt sich zu einer unüberwindbaren Hürde für den 08/15-Konsumenten auf.

Da kommen ein paar große Männer genau rechtzeitig, die die wissenschaftliche Autorität untergraben. Wie Marktschreier auf einem persischen Basar brüllen sie von den Dächern: Liebe Wissenschaft, du hast dich geirrt – du hast dich geirrt – du hast dich geirrt!

Das verleiht unserer Meinung Flügel.  Die Zurechtweisungen vermitteln uns das Gefühl der Absolution für unsere schönen Dieselautos. Wir müssen sie nicht gegen diese Antiästhetik von Windrädern eintauschen. Wir fühlen uns bestärkt. Unser Gartenfest ist gerettet.

Jetzt verfestigt sich unsere Antihaltung. Nun bricht unsere Ära an. Wir radikalisieren unseren Standpunkt. Wir wussten es eigentlich ja schon seit jeher: Warum in Herrgotts Namen, sollte man etwas von derartig vollkommener Schönheit stoppen? Zugegeben für Eisbeeren, Pinguine und in Österreich für Alpensalamander, Hochmoor-Gelbling, Halsbandschnäpper und Konsorten ist es dumm gelaufen. Aber der Rest der Diskussion setzt sich ausschließlich aus grober Spekulation zusammen. Als könnten ein paar kleine Gase so eine riesige 5,974 · 10^24 kg schwere Kugel erhitzen. Dieser Gedanke ist abstrakte Kunst. Das entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Und was die Forscher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit prophezeien, darf getrost skeptisch hinterfragt werden. Ich, prominente Politiker und fast zwei Drittel der Österreicher vertreten diese Position – zurecht – wie wir finden. Zwei Drittel fühlen sich auf Grundlage einer Umfrage nicht für den Treibhauseffekt verantwortlich. 7,3 Prozent der Bevölkerung glauben überdies gar nicht, dass sich das Klima überhaupt ändert. Denn erstens: Wissen wir über die Natürlichkeit derartiger Prozesse Bescheid. Wärmere und kältere Phasen hat es in der Erdgeschichte immer gegeben – und wird es auch immer geben. Alles andere sind FAKE NEWS. Und zweitens: Was interessieren uns Auswirkungen, die für das nächste Jahrhundert prognostiziert werden. Wir leben im Hier und Jetzt. Und im Hier und Jetzt widerfahren uns lediglich die Zuckerseiten dieses sogenannten Klimawandels. In Mitteleuropa gedeihen bereits Zitronen und Ingwer. Es summen weitaus weniger Bienen herum, deren Stichen Allergikern zum Opfer fallen könnten. Der Insektenrückgang wirkt sich zusätzlich praktisch auf die Windschutzscheiben-Reinigungshäufigkeit nach Autobahnfahrten aus. Außerdem erhielten wir ein kostenloses Marienkäfer-Update aus Asien – mit mehr Punkten – also quasi Marienkäfer erster Güte. Und diese putzigen, auffallend exotischen Bienenfresservögel, die eingewandert sind, versüßen uns so manchen Tag. Aber das beste Argument überhaupt: Wie es der Schwedische Nobelpreisträger in Chemie Svante Arrhenius 1895 positiv schlussfolgerte: “Der Anstieg des CO2 wird zukünftigen Menschen erlauben, unter einem wärmeren Himmel zu leben.” Er hatte recht! Es ist einfach viel wärmer – mit kürzeren Frostperioden – mit weniger Regen und mehr Sonnenstrahlen im Sommer. Diese Strahlen lassen unseren Teint erbräunen – sowie das Agrarland exotisch erblühen. Wir befinden uns auf einer Insel der Seligen. Also warum sollte man sich bei der Abfolge von positiven Einflüssen noch belasten. Deshalb treten wir strickt gegen ein Aufhalten aus unserer Sicht höheren Klimaform auf die Barrikaden. In Zukunft könnte uns nämlich genau das unserem höheren Ziel ein Stück näher bringen: Der Abschottung beziehungsweise der Unabhängigkeit des Landes.

Unsere Visionen – unser Theater

Der Homo sapiens beeinflusst durch Nutzung fossiler Brennstoffe, Abholzen von Regenwäldern und Viehzucht zunehmend das Klima und die Temperatur auf der Erde. Aufgrund der Industrialisierung verwandelt sich die Erde zusehends in einen überdimensionalen Gasgriller – der unterschiedlich heiß grillt. Im vergangenen Jahrhundert erwärmte sich die bodennahe Atmosphäre um 0,74 °C. Eine Erwärmung von 0,6 °C erfolgte rein in den letzten 30 Jahren. In Österreich hat sich die jährliche Durchschnittstemperatur im letzten Jahrhundert um 1,9 °C und damit 2- bis 3-mal stärker als jene der Nordhalbkugel erhöht, wobei alle Höhenlagen betroffen sind.

Trotzdem gibt es noch immer kalte Winter. Wenn ich nur daran denke, dass diese bedrohliche kalte Jahreszeit schon wieder vor der Tür steht, verfalle ich bereits frühzeitig in eine Präwinter-Depression. Kalt verkörpert nicht nur für mich den Inbegriff von Gefahr für Körper und Geist. Und an Orten die das höchste Gut – das Leben bedrohen, bleibt doch niemand gerne. Dafür gibt es glücklicherweise bald Abhilfe.

Das Badeparadies Mitteleuropa

Sunny-Funny-Land

Bis 2100 geht die Wissenschaft, je nach Modell, von einer weiteren Intensivierung der Witterungslage zwischen 2,5 und 6,4°C aus. Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts klettern die durchschnittlichen Temperaturen hier voraussichtlich um mehr als 2°C im Vergleich zu den 1980er Jahren. Und daran mögen wir auch nichts ändern. In einem Vorantreiben des Klimawandels stecken rosige Perspektiven. Aktuelle Forschungsergebnisse bestätigen das: Pro Jahrzehnt “verschieben” sich demnach die ökologischen Systeme gemäß zweier Studien, zwischen 6,1 und 17 Kilometer in Richtung der Pole. Der Frühling beziehungsweise seine Phänomene beginnen immer früher – im Schnitt um 2,3 Tage pro Jahrzehnt. Zugvögel haben bereits ihren Flugplan auf die neuen Gegebenheiten zugeschnitten: Sie kommen früher von ihren Winterquartieren zurück. Insgesamt konstituieren wir, kurzfristig bewegt sich das mediterrane, Urlaubsstimmung erzeugende Ökosystem sowie Klima Italiens auf uns zu. Langfristig dürfen wir sogar Afrikanischen Flair bei uns begrüßen: Die Luftlinie von Vaduz nach Tunis beträgt nur 1150 Kilometer. Unser Depressionen begünstigender Lebenskreis macht sich wiederum auf den Weg nach (Nord-)Deutschland. Das sind doch einmal Good News und heitere Aussichten für unser Zukunftsmitteleuropa. Der Winter flaut zu einem warmen Schatten seiner selbst ab. Die Bewohner frohlocken: Wir werden bald befreit sein von diesen eintönigen schirchen Viecher und einfallslosen Pflanzen, die immer gleich aussehen. Das ist doch langweilig. In Afrika und Italien gedeiht eine viel extravagantere Flora sowie Fauna. Bei uns ist “das sich verstecken” hingegen eine weitverbreitete und anerkannte Praxis unter den Tieren und Pflanzen sobald es kalt wird. Wir akzeptieren diese Feigheit sowie Schwäche unter den Individuen nicht mehr länger. Vielmehr sehnen wir uns nach coolen Tieren in einer coolen Umwelt. Wir lecken uns die Finger nach Tieren, die sich nicht vor dem Winter in einer Höhle verstecken müssen, weil sie sonst sterben würden. Wir träumen von Pflanzen, die nicht aus Furcht ihre Blätter verlieren oder erfrieren. Wir ersehnen uns schlichtweg eine winterlosen Klimazone.

Wir haben es selbst in der Hand

Also ergreifen wir die einmalige Initiative: Mit jedem Grad mehr, können wir neue tropische Pflanzen pflanzen, neue farbenfrohe Tiere ansiedeln. Scheißt auf die Prognosen, die uns weiß zu machen versuchen, dass mit jedem Grad mehr, häufiger Naturkatastrophen über uns hereinbrechen. Mit derartigen billigen Irritationen versuchen nur die Versicherungen ihre Produkte zu bewerben. Tropenstürme in Amerika, Dürren in Afrika und die Tsunamis in Asien sind Einzelfälle – ganz sicher. Vergesst die Artenvielfalt. Lieber siedeln wir ein paar coole Pflanzen und Tiere an als diese ewigen Lückenfüller bei uns zu beherbergen, bei denen keiner weiß, welche Funktion sie in ihren Lebensräumen ausfüllen. Was wir mit einer Erwärmung aber 100%ig erreichen können: Aus einem fahlen Mitteleuropa kultivieren wir ein buntes Afrika – mit hohen Durchschnittstemperaturen – und viel Sonne. Schon für die Mitte des Jahrhunderts prognostizieren unsere Wetterfrösche heiße, trockenere Sommer mit etwa doppelt so vielen Tagen über 30°C wie bislang. Dann heißt es: Aus Eichel werde Erdnuss! Diese hässlichen Bergpieper inszenieren wir als Paradiesvögel. Aus der Erbinformation von Äschen extrahieren wir die Äsche und fügen jene von Purpurprachtbaschen ein. Gut, um die Nichttauglichkeit des Feuersalamanders für wärmer Temperaturen ist es ein Jammer. Dafür nehmen aber bereits die Populationen von exzentrischen Smaragdeidechsen und unkonventionellen Gottesanbeterinnen zu. Nebenbei befördern wir Pferde zu Zebras – in einer aufwendigen Zeremonie verleihen wir den Pferde dazu den Zebrastreifen. Erbsen transformieren wir zu humorvollen Kichererbsen. Und irgendwann bauen wir sogar Palmen bei uns an. Dann braucht sich keiner mehr beschweren die Artenvielfalt im Regenwald würde durch unser Zutun dezimiert. Das Alte ersetzen wir durch Neues. Schwaches tauschen wir gegen Starkes. Alles soll im neuem bunten Glanz erstrahlen. Nur den Hopfen und die Weintrauben lassen wir da und ergänzen sie noch durch Agaven. Aus diesen könnten wir Tequila herstellen – heimischen Tequila. Die Zitronen, die den Trinkgenuss in harmonischem Geschmacke vervollständigen, gedeihen schon. Dadurch und aufgrund des zusätzlichen Mehr an Sonnenstrahlen – erhoffen wir uns zusätzlich eine Potenzierung der Freundlichkeit im Land für die kommenden Perioden. Also vereinfacht: Wir polieren Mitteleuropa zu einem Sunny-Funny-Land auf. Unser Land wird zu einem farbenfrohen lebenswerten Badeparadies  aufgebaut – ganzjährig geöffnet. Den Winter könnt ihr euch sonst wo hinschmieren. Das Sensationelle daran: Wir müssen dafür keinen Finger krumm machen. Es passiert sowieso, wenn wir alles beim Alten lassen.

Das höhere Ziel – die Unabhängigkeit

Ingwer und Zitronen bilden hier nur den homöopathischen Beginn des höheren ganzheitlichen Zieles unserer Region: Mit einer wärmeren Witterung können wir unsere Visionen in Windeseile implementieren. Neben der Einbürgerung exotischer Pflanzen und Tiere besteht eine Grundvoraussetzung für unsere zusätzlichen Pläne darin: Eine verpflichtende Regionalisierung unserer Agrarpolitik zu verordnen. Außerdem wünschen wir uns das Vorantreiben der völligen Abschottung Österreichs von äußeren Einflussfakturen. Wir streben nach Selbstversorgung – ohne fremde Hilfe – wollen quasi autark leben. Die selbst erzeugten Vorteile genießen wir aber natürlicherweise alleine – ohne die Nachteile anderer zu kompensieren. Dazu unerlässlich, die lang ersehnte Mauer! Diese soll nun endlich süße Realität werden. Immerhin liegt uns nichts ferner als unsern Garten Eden mit ausländischen Invasoren zu teilen – die aus unbewohnbar gewordenen Gebieten zu uns pilgern. Nichts widerstrebt uns mehr als einst aus unserem Badeparadies schweißgebadet in einem Horrorfilm aufzuwachen – wenn sich einer dieser über 180 Millionen Menschen, deren Zuhause aufgrund der globalen Erwärmung  überschwemmt wurde, einnisten. Bestimmt beheimaten wir hier auch keinen, dieser 150 bis 500 Millionen, die in ihren Heimatländern dann hungern werden. Nur in einem Albtraum existiert jene ferne Realität, in der wir mit einem dieser 1-4 Milliarden die schweren Dürren zum Opfer fallen, um die Liegestühle konkurrieren. All jene Eventualitäten treiben uns den Angstschweiß auf die Stirn. Im Falle eines wahrhaftigen Emporsteigens der Durchschnittstemperaturen um 3°C werden wir das zu verhindern wissen. Asylanten – nein danke. Wir lösen unsere Probleme. Andere Nationen sollen sich gefälligst um ihre kümmern.

Um unsere Visionen zu einem autarken Österreich implementieren zu können, benötigen wir keine Wissenschafter und Weltverbesserer die unsere Fantasien ramponieren. Nein, wir benötigen neue Taktiken, die uns diesen Eisberg in einer überschaubar kurzen Zeit dahinschmelzen lassen und unsere Heimat gleichzeitig schützen. Um den Plan in die Tat umzusetzen: Die Eröffnung unseres  Ganzjahresbadeparadieses Mitteleuropa – ohne Zuwanderer, die den Spaß verderben.

Aus diesem Grund rufe ich euch auf: Fahrt weiter mit eurem Dieselfahrzeug, fliegt viel mehr Kurzstreckenflüge, fahrt auf Kreuzfahrt und vor allem pflanzt keine Bäume – fällt sie. Kauft auch nicht nur ein Handy – kauft sie alle. Hört auf damit euch vegetarisch zu ernähren, schlachtet lieber eine Kuh. Bekommt auf jeden Fall Kinder – erliegt niemals eurer Mordlust. Und hört auf damit, euch diese Österreichischen Lebensmittel zu kaufen – ordert bei Alibaba Kaffee aus Indonesien, Kakao aus Brasilien, Chia-Samen aus Mexiko, Avocados aus Südafrika. Oder vereinfacht: Macht einfach weiter wie bisher. Im Sinne unseres gemeinsamem höheren Zweckes – Mitteleuropa zu dem Afrika des Nordens zu kultivieren. Sobald wir das Klima nach unseren Vorstellungen modelliert haben. Und so bald wir die vorherrschende Tier- und Pflanzenwelt für gut genug befinden, können wir die Türen schließen und die Vorstellung kann erneut beginnen.

Frida wird allerdings durch ihr heißes Fell bestraft und muss folglich einen Hitzetod sterben. Poor Little Frida!

 

 

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