Billige Lebensmittel töten Arme

Wir sind der Lüge aufgesessen: Wir brauchen billige Lebensmittel um die armen Leute zu versorgen. Blödsinn! Billige Lebensmittel machen arme Leute krank! Die Politik hat sich auf ihre Fahnen geschrieben: Nahrungsmittel müssen billig sein. Immerhin

Wir sind der Lüge aufgesessen: Wir brauchen billige Lebensmittel um die armen Leute zu versorgen. Blödsinn! Billige Lebensmittel machen arme Leute krank!

Die Politik hat sich auf ihre Fahnen geschrieben: Nahrungsmittel müssen billig sein. Immerhin sollen auch ihre Untertanen mit niedrigem Einkommen nicht vom Fleisch fallen und sie weiter tatkräftig unterstützen. Als Resultat dessen regiert das Gesetz des freien Marktes. Desto höher die Marge, desto niedriger der Preis. Die billigsten Leckerbissen am Weltmarkt sind gerade billig genug. Lange Transporte stehen nicht damit im Widerspruch. Am Weg zum Billigprodukt versprechen aber auch Rezepturen hohes Einsparungspotenzial. Dem Findungsreichtum scheinen hier keine Grenzen gesetzt. So werden aus Erdbeeren Aromen. Aus Fischresten Garnelen. Aus Luft wird Brot. Aus Wasser Fleisch. Aufstriche werden durch Mayonnaise gestreckt – Gewürze durch mehr Salz. Sogar Backpulver wird noch mit Mehl “verfeinert”. Hochwertige Öle werden mit minderwertigen gepanscht. Negative Umweltauswirkungen bei der Mission „Billiglebensmittel“ werden in Kauf genommen. Um Kosten zu optimieren, drängt sich bei der Erzeugung Tier an Tier und Pflanze an Pflanze. Das fördert zusätzlich den Verbrauch an Antibiotika, Pestiziden und Düngemitteln. Böden versteppen. Wasser wird verschmutzt. Resistenzen entstehen. Medikamente verweigern ihren Dienst. Das Hauptproblem für die Gesundheit der Mittellosen allerdings: Günstige Nahrung ist zu oft ernährungsphysiologisch wertlos. Der Gehalt an Vitaminen und gesundheitsfördernden Inhaltstoffen sinkt, während der Anteil ungesunder hochverarbeiteter Lebensmittel mit einer hohen Energiedichte steigt. Die günstigsten Zutaten wie Zucker, Salz, Pflanzenfette und raffiniertes Mehl erheben sich zu den Hauptbestandteilen – Semmeln im 10er-Pack, Extrawurst, Butterkekse, Billigcola, Chips und Lachgummi zu den Hauptnahrungsmitteln. Aufgrund dieser Diät verkalken Arterien. Insulin kann seine Wirkung nicht mehr wie bislang erledigen. Die Leute, die auf billige Lebensmittel angewiesen sind, machen exakt diese krank – und vollschlank. Der moderne Arme in Industrieländern fällt also nicht mehr vom Fleisch. Viel mehr versteckt er seine Armut unter dicken Hüften und einer wohlproportionierten Regio Glutea. Er platzt förmlich wegen der billigen Lebensmittel, die er als Billigarbeitskraft sogar selbst produzierte. Zusätzlich führt Armut häufig zur sozialen Isolation. Aufgrund seiner Mittellosigkeit findet er sich immer häufiger beim Frustessen auf seiner Couch wieder. Erste-Welt-Krankheiten, wie Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Demenz und Krebs häufen sich. Lebensjahre und Lebensqualität schwinden dahin.

Sind unsere Lebensmittel zu billig?

Was immer ich mir auch leisten kann: Kosten die VerbraucherInnen im Geschäft bezahlen, spiegeln nicht den wahren Aufwand wieder, das ist ein zusätzlicher Kritikpunkt. Den Aufpreis zahlen neben den Armen, die Umwelt, die Leute in entfernten Ländern und die hiesige Krankenversicherung der Zukunft. Während dem sich der Gutsituierten jedes Mal beim Gang zum Supermarkt die Frage stellen kann: Wie viel bin ich mir wert? Wie viel ist mir die Umwelt wert? Und zu welchen Lebensmitteln greife ich? Für Arme existieren oft keine Alternativen, außer die billigsten Lebensmittel zu wählen.

Ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel verursachen in Österreich jährlich volkswirtschaftliche Kosten zwischen 8,6 und 12,2 Milliarden Euro. Laut OECD sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor die Todesursache Nummer eins und stehen zumeist mit Fettleibigkeit und Diabetes in Verbindung. Vor allem bei jungen Menschen sei weltweit ein besorgniserregender Anstieg an Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes zu beobachten. 

Steuern für eine gesündere und umweltschonendere Ernährung?

Eine gesunde Ernährung darf kein Statussymbol für Besserverdienende sein. Der Staat muss nach diesen Daten ein gesteigertes Interesse an einer Reform haben. Steueranpassungen für ungesunde Lebensmittel könnten eine Lösung für die Zukunft darstellen. Ein Beispiel zeigt: In Berkeley (US-Bundesstaat Kalifornien) sank der Absatz von Softdrinks durch Steuern um 21 Prozent. Außerdem änderten Hersteller von Fertigprodukten nach Steueranpassung ihre Rezepturen und reduzierten die Gehalte an gesättigten Fetten, Zucker und Salz. Der Gesundheitswertmehrwert von Lebensmitteln stieg. Vor allem einkommensschwächere Gruppen könnten davon profitieren. Ähnliches wäre auch durch eine Umweltsteuer möglich, die einen umweltschonenden Umgang mit unserem Essen honorieren würde. 

 

 

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