Avocado – Hoden aus Übersee

Das zwiespältige Leben des Mr.Avocado Mexiko/Süd Afrika/Indonesien: Was sich die Azteken wohl 7000 Jahre vor Christus dabei gedacht haben, als sie der Avocado den Namen „ahuacatl“ gaben, ist nicht überliefert. Dass „ahuacatl“ übersetzt so viel wie

Das zwiespältige Leben des Mr.Avocado

Mexiko/Süd Afrika/Indonesien: Was sich die Azteken wohl 7000 Jahre vor Christus dabei gedacht haben, als sie der Avocado den Namen „ahuacatl“ gaben, ist nicht überliefert. Dass „ahuacatl“ übersetzt so viel wie Hoden heißt, jedoch schon. Zugegeben, diese Hoden sind sogenannte Superfoods und sollen super sein für Herz und Kreislauf – und gegen Krebs und Falten sowieso. Deshalb gibt es sie sogar als hübsches Tabletterl im Drogeriemarkt zu kaufen. Anscheinend schmecken sie auch einfach fabelhaft. Diese vermeintliche Symbiose aus Vorzügen für Geist und Körper machte die Avocado quasi über Nacht zur Gottheit der Weltenretter. Und die Tatsache, dass des Veganers heilige Kuh weder Fisch noch Fleisch ist, verleiht ihr zusätzlichen Glanz.

Facette bröckelt

Heute verdrücken die Europäer ca. 650.000 Tonnen jährlich. Tendenz: Stark steigend! Der weltweite Avocadoanbau steigerte sich demnach zwischen 2006 und 2016 um fast 50 Prozent. Nun fängt aber ihre Facette nach und nach zu bröckeln an. Denn auf dem Weg zum Triumph hat uns die fette Frucht betrogen – und uns ihr egoistisches Wesen verschwiegen. Blendet sie doch hierzulande die gesamte Nation, während sie in anderen Teilen der Erde ganze Landstriche trockenlegt, Wälder abholzt, Arten auslöscht und Wasserversorgungen mit Pestiziden verseucht.

Avocado mit Doppelmoral

Denn bis die Avocado ganzjährig diese Vollzeitstelle als Mittelpunkt dieser “Religion” einnehmen und die Gebrechen einer überalterten und übergewichtigen Gesellschaft heilen kann, muss sie eine Vielzahl von Strapazen über sich ergehen lassen. Um die riesige Nachfrage nach diesem “Gesundheitselixier” zu bewältigen, stößt man schon bei der Flächenbesorgung an die ersten legalen Grenzen. Der Lösungsansatz liegt glücklicherweise auf der Hand: Kurzerhand werden Wälder illegalen geschlägert. Insgesamt wird pro Jahr die Fläche von 1000 bis 2850 Fußballfelder an Wald abgeholzt. Nur um den Hunger auf Avocados zu befriedigen. Ein natürliches sowie funktionierendes Ökosystem muss dann intensiver Landwirtschaft weichen. Vor allem in ihrem Hauptanbaugebiet in Mexiko gibt es in diesem Zusammenhang enorme Probleme. Eine verminderte Artenvielfalt und Bodenerosionen sind die Folgen. Monarchfalter sterben. Pflanzen sterben. Und auch Menschen sind vor den kriminellen Machenschaften nicht gefeit. Die Obsession der westlichen Welt gegenüber der Avocado hat Avocadolandwirte zusätzlich mit einer beispiellosen Nachfrage konfrontiert. Preise explodierten. Zuletzt gab es sogar Berichte, wonach mexikanische Drogenkartelle lukrative Exporte kontrollieren. Wen wundert es, können doch bis zu 500.000 US-Dollar (383.000 US-Dollar) pro Jahr mit einem kleinen mit Avocadobäumen bestückten Grundstück, verdient werden.

Hoher Wasserbedarf

Zusätzlich saufen diese Beeren (im botanischen Sinne) wie Kamele vor ihrem Ritt durch die Wüste. So benötigen sie bei ihrer Produktion im globalen Durchschnitt 1000 Liter Wasser für ein Kilo Avocados. 1000 Liter für vier Avocados. Im Vergleich: Tomaten brauchen nur 180 Liter und Salat 130 Liter pro Kilogramm. In Mexiko fließen für den Anbau rund 80 Prozent des knappen Trinkwassers in die Landwirtschaft. Im trockenen Israel lassen sich die Avocados 50 Prozent des Wassers schmecken. In einer chilenischen Provinz kam es sogar zur Austrocknung ganzer Flüsse. Und in Südafrika gedieh die Avocado fabelhaft, während die ganze Region die Jahrhundertdürre durchlebte, in der Wasser sogar rationiert werden musste. Aber dem nicht genug: Vom Boom getrieben, gelangten in Mexiko auch Pestizide aus dem Avocadoanbau in das Trinkwasser. Magen- sowie Atemerkrankungen stiegen bei der örtlichen Bevölkerung an.

Langer Transport – hohe Klimabelastung

Endlich (halb) reif, machen sich die Avocados von den Tropen (und anderen Ländern des Südens) aus auf den Weg und reisen dafür zunächst mit dem Lkw zum nächsten Hafen, um dort von einem Schiff abgeholt zu werden. Danach schippern sie gemütlich, in einem strombetriebenen Container und bei konstanten Bedingungen von 6 °C (das mögen sie am liebsten), über den Ozean, bis zum Zielhafen. Und von dort aus fahren sie wieder mit dem Lastwagen bis zu ihrem Ziel. Alles in allem dauert dieser Transport schon mal einen Monat und ist ergo einigermaßen energieaufwendig. Manchmal haben sie es jedoch besonders eilig. In diesem Fall lassen sie sich nicht lumpen und fliegen direkt mit dem Flieger* – auf Höhenangst wird keine Rücksicht genommen!

*(Lufttransporte belasten das Klima am meisten. Ein Kilo Lebensmittel, das per Luftfracht transportiert wird, verursacht das 170-Fache an Emissionen im Vergleich zu einem Kilo, das mit dem Schiff befördert wird.)

Kennzeichnung nicht verbindlich

Ist die Avocado dann einmal im Supermarkt angekommen, weiß der Käufer oft nicht einmal, auf welchem Weg die Ware in den Supermarkt gelangt ist. Eine Kennzeichnung gibt es hier nicht.

Klimawandel könnte ihr Ende bedeuten

Zum Glück könnten sich all diese Probleme bald erledigen. Denn Avocados brauchen für ihr Wachstum stabile Temperaturen zwischen -2 und +38 Grad. Einem Report von 2006 zufolge wären bis 2050 50 Prozent der kalifornischen Avocadoproduktion gefährdet. In anderen Ländern gilt für die empfindliche Beere Ähnliches. Die letzten Tage der mafiösen Avocado könnten also bald gezählt sein. Sie selbst schaufelt fleißig ihr Grab.

Regional&saisonal

In Anbetracht all dieser Facetten liegt ein Lösungsansatz nahe: Gerade in Zeiten der Hyperglobalisierung sollte man wieder vermehrt regional und saisonal einkaufen. Dadurch handelt man nachhaltiger, verursacht weniger Schäden an Umwelt&Kultur und vermutlich schmeckt es auch besser.

Sollte Sie aber in Zukunft der Appetit nach Avocados derart übermannen/überfrauen – und sollten Sie deshalb kurz davor sein, voller Inbrunst in eine göttliche Avocado zu beißen: Denken Sie an den Hoden, den die Azteken 7000 Jahre vor Christus in dieser Frucht gesehen haben. Vielleicht hilft das ja mit, die Zahl dieser unsinnigen Transporte, Umweltschäden, kriminellen Machenschaften etc. zu minimieren und damit das Klima zu retten. Frida das Schaf wird es Ihnen danken!

Bis die Avocado aber endlich ausstirbt, heißt es: Alternativen bevorzugen! Avocados meiden.

Fazit: Geile Frucht! Schlechtes Karma! 

Alternative zur geschmierten Avocado (Guacamole): Erbsenpüree

Jährlich holzen wir eine Fläche der Größe Griechenlands ab

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